Beim Firmenverkauf beginnen die Mitarbeiter meistens zu zittern. Die Unruhe ist ein Risiko – sowohl für den Eigentümer, der verkaufen will, als auch für den möglichen Nachfolger.

Katharina Winand ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Unternehmensnachfolge und Arbeitsrecht. Im Interview spricht sie darüber, wie der Personalbestand den Verkaufspreis beeinflusst, warum ein eiliger Firmenverkauf finanziell gefährlich ist und wie Unternehmer die verzwickte Lage lösen.

 

Im Mittelstand gibt es häufig eine geringe Personalfluktuation. Angestellte arbeiten nicht selten über Jahrzehnte für den gleichen Arbeitgeber. Ist das eine Stärke oder eine Schwäche des Unternehmens?

Katharina Winand: Beides zugleich. Wenn es mehrere fähige Mitarbeiter gibt, die für bestimmte Bereiche Verantwortung tragen, wirkt sich dies positiv auf den Verkaufspreis aus. Denn die Firma ist dadurch weniger abhängig vom Chef. Außerdem haben die Mitarbeiter, die schon so lange das Unternehmen begleiten, oft ein enormes Know-how, welches der Nachfolger nutzen kann.

Nachteilig könnte sein, dass gerade ältere Mitarbeiter häufiger krank, nicht mehr so engagiert oder „führungsresistent“ sind – oft lassen sie sich von einem jüngeren Nachfolger nichts sagen.

Externe Firmenkäufer wollen häufig in die Anwesenheitsdokumentation schauen, um zu bewerten, wie hoch der Krankenstand ist. Das kann unter anderem dazu führen, dass sie bestimmte Mitarbeiter nicht übernehmen wollen. Dies kann sich negativ auf den Verkaufspreis auswirken.

 

Werden bei einem Firmenverkauf automatisch alle Arbeitsverträge der Mitarbeiter aufgelöst?

Winand: Nein. Die Arbeitsverträge der Belegschaft gehen bei einem Firmenverkauf alle über zum neuen Eigentümer, sofern ein Mitarbeiter dem nicht widerspricht. Auch die Besitzstände gehen nicht verloren. Wer also im 20. Jahr seiner Beschäftigung ist, ist danach im 21. Jahr für die Firma tätig.

Aber das Thema Personal ist ein Damoklesschwert bei der Unternehmensnachfolge. Mögliche Firmenkäufer können zum Beispiel verlangen, dass die Arbeitsverhältnisse mit einzelnen Mitarbeiter aufgehoben werden sollen. Sonst platzt der Kauf. Solche Situationen beobachten wir immer wieder bei Verkaufsverhandlungen und Firmenbewertungen.

Der Nachfolger hat auch ein rechtliches Problem. Er kann nach dem Firmenkauf ein Jahr lang nichts an den Arbeitsverhältnissen ändern. Er hat also einen geringen Handlungsspielraum. Gleichzeitig sind Personalkosten häufig der größte Kostenblock im Mittelstand. Wenn etwa durch die Firmenübernahme Kunden wegbrechen und der Umsatz zurückgeht, bleiben die Kosten unverändert hoch. Dieses Risiko muss ein Käufer unbedingt beachten.

 

Mitarbeiter kündigen, um die Firma zu verkaufen? Das klingt nach einer schweren Situation für den Firmeninhaber.

Winand: Zumal es häufig um langjährige Mitarbeiter geht, zu denen ein besonderes Verhältnis besteht. Wenn der Kauf aber abhängig gemacht wird von der Kündigung bestimmter Mitarbeiter, muss der Inhaber handeln. Denn er möchte mit dem Verkaufserlös ja möglicherweise den Ruhestand finanzieren oder Kredite abzahlen. Also muss der Inhaber sich damit auseinandersetzen. In der Folge kann es dann um Aufhebungsverträge und Abfindungen gehen, die auf jeden Fall finanziellen Aufwand bedeuten.

Wichtig ist, dass der Firmenverkauf diskret verhandelt wird. Wer etwa in Eigenregie seine Firma bei einer Unternehmensbörse anmeldet und dann mehrere Interessenten durch seine Firma laufen lässt, muss sich über dann folgende Unruhe im Unternehmen nicht wundern. Gute Mitarbeiter sehen sich dann vielleicht eigenständig nach neuen Arbeitgebern um und sehr häufig steigt in solchen Zeiten der Krankenstand im Unternehmen aufgrund der befürchteten unsicheren Arbeitsstelle enorm.

 

Manche Firmeninhaber wollen „auf die Schnelle“ das eigene Unternehmen verkaufen, also innerhalb weniger Monate. Andere müssen es sogar, weil sie durch Krankheit dazu gezwungen sind.

Winand: Hier rächt es sich, wenn man nicht frühzeitig mit der Nachfolgeplanung beginnt. Denn ein Verkauf auf die Schnelle wirkt sich auf jeden Fall negativ auf den Verkaufspreis aus.

Nicht nur, weil man eine schlechte Verhandlungsposition hat, wenn man es eilig hat. Sondern auch, weil die Verhandlung mit Mitarbeitern, die vom Firmenerwerber nicht gewünscht sind, sehr teuer werden können. Denn ein informierter Mitarbeiter wird nicht ohne weiteres auf seinen sozialen Besitzstand ohne eine entsprechend hohe Abfindung verzichten wollen. Hier ist enormes Geschick gefragt und auch ein finanzieller Rückhalt geboten.

Die Mitarbeiter, die in der Firma bleiben, müssen ebenso umsichtig informiert und vorbereitet werden. Nur so werden sie auch in Zukunft gute Arbeit für das Unternehmen leisten.

Arbeitsrecht ist Arbeitnehmerrecht. Damit hat fast jeder Firmeninhaber schon seine – oft negativen – Erfahrungen gemacht. Und bei einem Firmenverkauf gibt es eben auch die erheblichen Rechte der Arbeitnehmer zu beachten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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